Dieser Blog enthält vornehmlich Fotos, die von mir oder Bekannten in Israel aufgenommen wurden. In geringem Umfang wird auch auf Material verwiesen, das mir aus Israel zugespielt wurde oder ich im Internet aufspürte.
Nachdem das Regenwetter uns gestern unsere Vorhaben im Golan
weitgehend hat ins Wasser fallen lassen, geht es heute mit dem geplanten forstwirtschaftlichen
Einsatz in einem der KKL-Wälder gerade so weiter. Wieder müssen wir kurzfristig das Programm
ändern.
Aber zunächst sind wir noch im Kibbutz Maagan am See Genezareth, wo wir die Nacht
verbrachten und das Frühstück noch auf uns wartet.
Nach der Busfahrt durch das Jordantal
besichtigen wir an Stelle der Wanderung in Gamla die Ausgrabungen von Bet Shean.
Wie überall in Israel, so ist auch hier seit dem letzten Besuch im letzte Jahr
die Ausgrabung wieder gewachsen. Es gibt also wieder neues zu entdecken.
An einem Gebäude war etwas von Neolithikum zu lesen. Vermutlich ist es ein kleines
Museum zu den archäologischen Ausgrabungen im Kibbutz. Wir haben es uns nicht angesehen.
Die Ausgrabung sehen wir auch nicht, nicht einmal von ferne.
Dieter Vieweger, den wir später auf der Reise noch
kennen lernen werden, widmet im Buch Archäologie der Biblischen Welt
den Funden von Scha'ar HaGolan ein ganzes Kapitel. Er erklärt dort die Periode
der Jarmuk-Kultur am Beisiel von Scha'ar HaGolan. Der Yarmuk
ist ein Grenzfluß zwischen Jordanien und Israel. Er mündet in der Nähe des Kibbutz
in den Jordan.
In einem späteren Kapitel des Buches wird das Regionalmuseum vom Kibbutz Scha'ar HaGolan
ausdrücklich hervogehoben als ein Museum mit untrüglichem pädagogischen Sinn.
Vermutlich ist es das unscheinbare Gebäude gewesen, an dem etwas von Neolithikum
zu lesen war. Ein Besuch dieses Museums wäre sicher ein Highlight gewesen.
Man weiß nicht, wo Jesus getauft wurde. Dem Evangelisten war das nicht wichtig.
Da aber Johannes der Täufer als Prediger in der Wüste geschildert wird, nimmt
man an, daß es wohl in der Nähe des Toten Meeres gewesen sein dürfte.
Pilger taten schon immer das, was die Bibel als Götzendienst bezeichnet, sie
halten Orte hoch, wo es der Bibel um die Inhalte geht. So gab es eine traditionelle
Taufstelle am Unterlauf des Jordan in der Nähe des Toten Meeres. Während der
Zeit der jordanischen Besatzung der Westbank jedoch war diese traditionelle
Taufstelle, die genauso wenig authentisch ist wie diese hier, nicht zugänglich,
so daß man Ersatz für die Pilger benötigte.
Diesen Ersatz schuf man am Ausfluß des Jordan aus dem See Genezareth. Hier ist der Jordan
aufgestaut und erscheint deshalb breiter als beim Zufluß. Da er aber kaum Strömung hat,
fließt wesentlich weniger Wasser über den Jordan aus dem See heraus als hinein.
Als wir zum Hotel zurück kamen fuhren Busse weise Leute zum
Grab von Rabbi Meir Ba'al Ha'ness,
das auf dem Nachbargrundstück zum Hotel liegt. Dies weckte mein Interesse und das
meines Zimmergenossen, so daß wir beschlossen uns das anzusehen,
was es da mit dem Grab auf sich habe.
Laut Ruben diensen die merkwürdigen Feuerstellen dem Verbrennen von Kerzenresten.
Mehr wollte er auf unser Nachfragen, was es mit dem Grab und diesem seltsamen
Feuerstellen auf sich habe, nicht verraten, denn ihm war der Rabbi äußerst suspekt.
Wenn man keine Canyons mit Wildwasser hat, betreibt man das Rafting eben, indem
man sich im Gummiboot von einem rasenden Motorboot über den See ziehen läßt.
Wer sich nicht im Hotelpool suhlen will, kann hier am Stand des See Genezarths sich ein
Plätzchen suchen; immerhin für ein Handtuch reicht der Platz ja an diesem Luxusbadestrand.
Umso rätselhafter scheint es mir, warum ausgerechnet dieses Hotel laut offiziellem
Aushang den höchsten Zimmerpreis hat. Es kann sich in nichts mit den beiden Hotels
in Tel Aviv und Haifa messen.
Vom eigentlichen Sonnenaufgang sieht man in dem Zimmer ganz hinten am Berg nichts,
da die Sonne vom Hotelgebäude verdeckt ist.
"Heilige Stätten"
Wir besuchen die sogenannten heiligen Stätten in den Hügeln am Westufer des See
Genezareths. Keine einzige dieser Stätten ist authentisch. Katholisch sind sie;
mehr nicht. Ich glaube nicht, daß Jesus je freiwillig eine katholische Kultstätte
betreten hätte, wenn es diese seiner Zeit schon gegeben hätte. Wie also könnten
diese für einen Christen heilig sein? Und für die jüdischen Reiseteilnehmer stellt
sich die Frage doch erst recht, was daran heilig sein soll.
Trotzdem dürfen sie angeblich in keinem Reiseprogramm fehlen. Warum eigentlich?
Ich würde alles, was nicht zeitgenössisch israelisch ist und keine authentischen
archäologischen Ausgrabungen vorweisen kann, weglassen, weil es bestenfalls
irrelevant ist.
Angeblich soll es der Berg der Seligpreisungen sein. Archäologische Ausgrabungen
mit Funden von Mitschriften der Zuhörer gibt es nicht. Auch enthalten die biblischen
Texte keine konkrete Verortung, weshalb die Erklärung einer sogenannt Heiligen Stätte,
daß es hier oder da gewesen sei, nicht zulässig ist. Die Texte wollen genau das nicht,
sonst hätten sie ja eine konkrete Ortangabe gemacht.
Aber auch an solch einem Ort der Bibeltextverdrehung wachsen schöne Blumen und demonstrieren
auf ihre Weise: Betrachtet die Lilien, wie sie wachsen; sie mühen sich nicht
und spinnen auch nicht. Ich sage euch aber, selbst nicht Salomon in all seiner Herrlichkeit
war bekleidet wie eine von diesen.
Mit dem Bus fahren wir wieder hinab nach Kapernaum. Dort gibt es immerhin authentische
Ruinen teilweise bis aus dem ersten Jahrhundert nach der Zeit. Die Interpretation
der Ruinen ist nicht in jedem Fall belegbar, aber es sind zumindest archäologische
Anhaltspunkte vorhanden.
Von Kapernaum wird in den biblischen Texten so berichtet, daß man vermuten kann, daß
es der Wohnort Jesu war. In welchem Haus er gewohnt hat, weiß man nicht. Zum Glück
wird uns auch keines als das angelbliche Haus Jesu aufgetischt.
Warum auf diesem Grundstück alles verbrannt ist, wissen wir nicht. Vielleicht hat
ein Tourist eine brennende Kippe weggworfen. Wir wissen es nicht. Das Feuer ist
jedenfalls noch nicht lange her, teilweise glimmt es sogar naoch.
In Zeiten der Verfolgung benötigt man die Gottesdienstutensilien auf einem fahrbaren
Untersatz, damit man sie in Sicherheit verwahrt halten kann und für den Gottesdienstgebrauch
schnell herbeischaffen kann.
Ein Haus aus dem ersten Jahrhundert, um das herum im Fünften Jahrhundert ein Kirchenraum
gebaut worden war, wird katholischer Seits als Haus des Simon und Andreas
vermarktet. Heute ist es mit einem scheußlichen Beton-Ufo überbaut. Ob es wirklich das Haus Petrus
war, läßt sich nicht nachweisen. Nachweisen läßt sich lediglich, daß es im Vierten Jahrhundert
die Überlieferung gibt, das Haus des Petrus stehe noch wie zu seiner Zeit, und aus dem
Sechsten Jahrhundert ist bezeugt, daß das sogenannte Haus des Petrus jetzt eine Basilika
sei.
Selbst wenn es sich historisch tatsächlich um das Haus des Petrus handeln sollte,
welche Relevanz hätte dies?
Weiter geht es wieder die Hügel hinauf nach Tabgha. Hier soll angeblich die Brotvermehrung
stattgefunden haben. Die Körbe in denen laut Bibeltext die übrig gebliebenen Brocken
gesammelt wurden als eventueller Beleg, daß es wirklich hier gewesen ist, hat man
bislang nicht gefunden.
Im Inneren der Anlage gibt es einen Brunnen, der aus sieben Quellen gespeist wird.
In ihm tummeln sich Kois und andere Zierfische. Im Schatten des Feuerbaums vor der
Kirche versucht Ruben unter lautem Protest der Sperlinge uns Tabgha zu erklären und
weist auch ausdrücklich auf die fehlende Historizität des Ortes hin.
Die Wirklichkeit hat uns wieder. Wir essen in einem Fischlokal am See Genezareth in
Tiberias den traditionellen Petersfisch, zumindest die Fischliebhaber.
Unter den Katzen herrschen rauhe Sitten. Während wir auf unser Essen warten, ist
genug Zeit zum Fotografieren, was sich hier auf dem See und an seinem Ufer so
ereignet.
Neben dem Vogel sind auch Fische im Wasser zu sehen, auch eines der zahlreichen
Touristen-Schiffe, von denen wir nach dem Essen ebenfalls eines nutzen werden,
ist zu sehen.
Was nicht gegessen wird, wandert als Katzenfutter bzw. Fischfutter für die Welse
auf die Ufersteine bzw. in den See. Entsprechend unappetitlich sieht das Ufer hier aus.
Zunächst sahen wir uns im Musem einen Film über die Entdeckung und Bergung des
Boots an. Anschließend erzählte einer der beiden Entdecker perönlich von der
Entdeckung. Diese Gelegenheit bot sich, da Ruben ihn persönlich kannte.
Den Rest des Nachmittags gibt es frei, damit man in Tiberias shoppen gehen kann,
oder sonst etwas ansehen. Ich entschließe mich, von Tiberias zum Hotel zu laufen,
um die Strecke fotografieren zu können.
Der helle Koloss am Hang mit der Metallgitterkonstruktion auf dem Dach, die wahrscheinlich
einst das Gerüst für eine Leuchtwerbung oder eine Werbetafel war, ist das Hotel
Royal Plaza Tiberias.
Die heißen Quellen des antiken Tiberias. Es wäre an Stelle des Freigangs in der
Stadt genügend Zeit gewesen die heißen Quellen des antiken Tiberias zu besuchen,
wo es auch große Mosaiken zu sehen gibt.
Bei den beiden Rundbögen kommt in geringen Mengen heißes Wasser aus dem Boden
und fließt dann links an der Palme vorbei, um in dem Graben im Bild vordergrund, von dem
man nur die obere Steinbegrenzung sieht, von links nach rechts aus dem Bild zu fließen.
Die Wasserrohre leiten vermutlich Salzwasser von Salzwasserquellen im See am See
vorbei in den Jordan, da der See als Trinkwasserreservoir benötigt wird.
Nachdem heute das nordwestliche Ufer des See Genezareths unser Schwerpunkt war,
soll es morgen in den Golan gehen.